Grafiktablett ohne PC

Lange Zeit galten Grafiktablett und PC als gutes Gespann. Doch nicht für alle ist der stationäre Computer mit Gehäuse, Maus, Tastatur und externem Monitor noch zeitgemäß. Mobile Endgeräte verändern immer stärker unsere Verhaltensweisen. Digitales Nomadentum und standortunabhängiges Arbeiten sind längst – Notebook und Smartphone sei Dank – etablierte Arbeitsmodelle. Ebenfalls eine schöne Vorstellung: das Grafiktablett ohne PC, jederzeit dabei und immer einsatzbereit. Doch wie sieht die Realität aus?

Unterwegs mit dem Grafiktablett?

Der Künstler Adolph von Menzel (1815 – 1905) hatte sich einen Gehrock zum Zeichnen anfertigen lassen. An dem Kleidungsstück befanden sich Taschen in verschiedenen Größen zur Unterbringung mehrerer Skizzenblock-Formate. Auch im 21. Jahrhundert ist es wünschenswert, den digitalen Skizzenblock immer zur Hand zu haben. Natürlich gibt es längst Grafiktabletts mit eigenem Display, die unabhängig vom Desktop-Rechner funktionieren. Doch geht hier der Trend hin zur Leinwandgröße und weg vom Hosentaschenformat. Mit dem Cintiq Companion hat der japanische Hersteller Wacom allerdings ein tragbares „Kreativ-Tablett“ im Programm. Das Modell kann sowohl eigenständig als auch mit PC oder Mac betrieben werden.

Das digitale Notizbuch

Bereits in den 2000er Jahren gab es Versuche, Notizblock und Grafiktablett miteinander zu kombinieren. Damit ließen sich handgeschriebene Notizen oder Zeichnungen digital speichern und editieren. Die batteriebetriebenen Hybriden waren vielleicht zur falschen Zeit aufgetaucht – denn etabliert hat sich keines der vorgestellten Geräte. Auch wenn Wacom mit dem Bamboo Spark diesen Ansatz nach wie vor weiter verfolgt.

Smartphones und Tablets als kreatives Werkzeug

Gegen Ende der 2000er Jahre erfreuten sich Smartphones, Tablets bzw. Phablets immer größerer Beliebtheit. Gleichzeitig wurde klar, welches kreative Potential in Handheld-Geräten steckte. Wenn man damit schreiben, fotografieren und filmen konnte – dann musste man damit auch zeichnen und malen können! Mit dem iPad griff Apple 2010 die altbekannte Idee des Tablet-PC auf. Das Multi-Touch-Gerät mit dazugehörigem Stift trifft insbesondere den Nerv von Grafikern und Designern. Ausgestattet mit entsprechenden Apps, erfüllt das iPad tatsächlich den Wunsch nach einem tragbaren, unabhängigen Grafiktablett. Doch auch bei den Smartphones tut sich was. Firmen wie Huawei oder Samsung arbeiten daran, ihre Flaggschiffe mit Stiften auszurüsten und so ebenfalls zu mobilen Grafiktabletts aufzuwerten.

Fazit

Auf kurz oder lang wird sich das Grafiktablett weiter emanzipieren. Die Forderung nach einem mobilen Zeichengerät ist gerechtfertigt. Gewiss werden sich die etablierten Hersteller hier das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Doch auch Smartphones, Tablets und Phablets haben naturgemäß das Zeug zum „Grafiktablett ohne PC“. Für Künstler, Fotografen und andere Kreative bleibt die Entwicklung auf jeden Fall spannend.